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„ Erguss von Halbwissen“

Leserbrief von GR Thomas Seibold in der FZ

Der Leserbrief des Herrn Ludwig vom 08.08. bedarf eines Kommentares bzw. einer Korrektur. So ist das halt, wenn sich Menschen mit gefährlichem Halbwissen aufgerufen fühlen andere zu belehren. Woher Herr Ludwig seine Berufung nimmt sich über Einsatzfahrten der Hilfs- und Rettungskräfte zu äußern weiß ich nicht, ich kann auf die Erfahrung aus 28 Jahren aktivem Feuerwehrdienst und einigen hundert Einsatzfahrten zurückgreifen. Diese Erfahrung beinhaltet eine grundsätzliche Unberechenbarkeit anderer Verkehrsteilnehmer, auf die ich im Einzelnen hier gar nicht eingehen kann. Das ich FW/FD-Stadtrat und damit Fraktionskollege von Klaus Auer bin tut hier im Übrigen nichts zur Sache.

Jede Einsatzfahrt stellt den Fahrzeugführer, egal ob im Haupt- oder Ehrenamt, vor allergrößte Herausforderungen. Er hat selbstverständlich den Auftrag Personal und Gerät schnellstmöglich zur Einsatzstelle zu bringen, wozu er bei eingeschalteter Rundumkennleuchte und Signalhorn auch Sonder-und Wegerechte in Anspruch nehmen kann. In diesem Fall obliegt ihm aber eine ganz besondere Sorgfaltspflicht. Die Einschätzung ob er dieser gerecht wurde obliegt gegebenenfalls einem  Gericht, denn auch dahin kann einen der Dienst für den Nächsten bringen. Diese erhöhte Sorgfaltspflicht wächst proportional mit dem Maß der Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, was sich dann selbstverständlich direkt zu Ungunsten des Fahrzeuglenkers auswirkt!

Bei Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr kommt noch die Anfahrt zum Gerätehaus als besonders problematisch hinzu. Herr Ludwig denkt vielleicht diese stehen als Dienstleister jederzeit am Standort bereit und warten auf (seine?) Hilferufe. Nein, sie lassen im Alarmierungsfall privat wie beruflich alles stehen und liegen und eilen dem Nächsten zur Hilfe.

Hilfsfristen müssen von allen Behörden und Organisationen mit Sonderrechten (BOS) eingehalten werden. Dass dies kein abstraktes oder konstruiertes Szenario ist, zeigt der ganzseitige Artikel der StN vom 06.08.

Den Leserbrief des Herrn Ludwig nehme ich  als Verhöhnung der haupt-und ehrenamtlichen Hilfs- und Rettungskräfte wahr. Ich jedenfalls danke den aktiven Kameraden ausdrücklich für die Bereitschaft neben den Gefahren für Leib und Leben auch das Risiko der persönlichen Haftung zu übernehmen!

 

Thomas Seibold, Fellbach